Blumenau Bürglen

An der Peripherie von Bürglen, am Thurkanal gelegen, bilden

grosszügige Aussenräume, Wohnraum mit viel Privatheit und einem alles verbindenden, gemeinschaftlichen Hof die Hauptmerkmale der neuen Wohnsiedlung.

 

Bauherren & Architekten

Die Liegenschaft in Bürglen wurde 2015 gemeinsam von der Gehrig AG und der Rütihof AG erworben. Das Gebiet ist gestaltungsplanpflichtig und liegt in der zwei und dreigeschossigen Wohnzone.

Um die hohe Qualität, die bei einem Gestaltungsplanverfahren sichergestellt werden muss zu gewährleisten, wurde 2016 ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Das Projekt von antoniol+huber+partner konnte sich gegenüber vier weiteren Projekten durchsetzen.

 

Lage und Einbettung der Überbauung in die reizvolle Umgebung

Die Liegenschaft liegt an der südlichen Peripherie von Bürglen mit Aussicht ins Thurvorland. Die offene Landschaft mit Thurkanal, Gewerbegebiet – inklusive Kraftwerk und nahe gelegenem Wald – ergeben eine Situation, die ihresgleichen sucht.

 

Durch die Platzierung der Gebäude an den Rändern des Grundstücks, wird durch die geknickten Ränder der Parzelle ein spannungsvoller Hofraum im Inneren der Siedlung ausgeschieden. Der Hofraum bildet die Kernidee des Entwurfs, bindet die unterschiedlichen Teile der Siedlung auf selbstverständliche Weise zusammen und schafft einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität und starker Identität.

 

Orientierung der Wohnung, Erschliessung und Verkehrsfreier Hof

Durch die Orientierung der Bauten können alle Wohnungen von ihrer spezifischen Lage profitieren. Die strassenseitige Reihe blickt auf den Kanal und die waldbestandene Erhebung zum Dorf und in den Innenhof. Die südliche Reihe orientiert sich in das offene Thurvorland und den Innenhof. Alle Wohnungen orientieren sich direkt nach Innen und nach Aussen. Je nach Befindlichkeit ist der Kontakt mit der Gemeinschaft im Inneren aber auch der Rückzug mit Weitblick nach Aussen jederzeit möglich.

Im Untergrund verbindet eine den Gebäuden folgende Tiefgarage die Häuser. Sie dockt an alle Gebäudetreppenhäuser an und hat zwei Ein- und Ausfahrten auf die Kanalstrasse. Somit sind alle Hauseinheiten direkt mit der Tiefgarage verbunden und trockenen Fusses erreichbar. Der Hofraum ist autofrei und der direkte Zugang der Bewohner ist durch ihr jeweiliges Treppenhaus gewährleistet.

 

Durch das Kombinieren von Garten-, Geschoss- und Attikawohnungen in unterschiedlicher Grösse mit Reihenhäusern in der gleichen Gebäudestruktur, entsteht ein lebendiges, altersdurchmischtes Quartier für Alle.

 

Grosszügige öffentliche Aussenräume mit viel Aufenthaltsqualität

Die Umgebung ist durch die Setzung der Gebäude sehr differenziert. Die Mittelzone zwischen den Baukörpern ist mit Hügeln fein moduliert. Die Gestaltung und Bepflanzung des Innenhofes ist angelehnt und abgeleitet vom Charakter des Thurraums. Geometrisch frei angeordnet – wie vom Fluss gestaltet – finden sich Bäume, Sträucher, Sitzgelegenheiten und Kleinkinderpielgeräte, wo diese benötigt werden. Die nördlich gelegene Pergolaschicht, welche kurzzeitig von Rankpflanzen überwachsen werden wird, nimmt die benötigten Veloabstellplätze auf und bindet die Bestandesbauten in das Gesamtkonzept mit ein. Die Pergola schafft eine angemessene Abgrenzung zu den Bestandesbauten und definiert den Hof in passender architektonischer Sprache.

 

Wohnungen mit optimaler Ausrichtung und hohem Ausbaustandard

Die Ausrichtung der Wohnung nach Südwesten ist optimal. Jeder Wohn-Essraum verfügt über eine zweiseitige Ausrichtung nach Innen zum Hof und nach Aussen in die Landschaft. Über die fassadenseitig angebrachten, raumhohen Türen wird die Wohnung durchschreitbar und lässt diese grösser erscheinen. Das Wohnzimmer entwickelt sich in die Tiefe des Grundrisses und schafft, in Kombination mit der Balkonschicht, auch im Inneren viel Privatheit. Durch die hohen Räume kann Licht bis weit ins Gebäude dringen.

 

Alle Wohnungen verfügen über grosszügige Küchen. Bei den Geschosswohnungen liegen diese an der Fassade klassisch gegen Nordosten – mit viel Morgensonne. Bei den Reihenhäusern sind die Küchen mittig mit Bezug zum Ess- und Wohnbereich positioniert.

Die Wohnungen verfügen über zwei Nassbereiche. Durch die grosszügige Anordnung der Apparate und die feine Gliederung durch Absätze sind diese individuell möblierbar. Das Bad mit integrierter Waschmaschine, Regendusche und Doppelwaschtisch ist jeweils direkt vom Zimmer aus betretbar aber auch an den Eingangsbereich angeschlossen. Ein in die Wohnung integriertes Reduit schafft Platz für Nebensächlichkeiten.

 

Grossräumige, private Aussenräume und Weitblick in die unverbaubare Landschaft

Die Erdgeschosswohnungen sind gegenüber dem Hof leicht erhöht (Hochparterre). Mit dieser Massnahme werden die Wohnungseigenen Aussenräume von der Platzebene abgehoben – weil sie mit Mauern eingefasst sind – sehr privat. Der Ausblick ist möglich doch vor Einblicken ist man durch die bepflanzten Mauern, Geländern und Pergolas angenehm geschützt. Südseitig ist der Einbau eines Gartenhäuschens in der Pergolaschicht möglich.

Die Wohnungen in den Obergeschossen verfügen über die 3.65m tiefe Balkonschicht ebenfalls über grossflächige Aussenräume mit viel Aufenthaltsqualität. Die Balkonschicht ist durch zweigeschossige, luftige Räume aufgebrochen, was den Wohnungen viel Licht und eine Art „Attikafeeling“ verleiht.

Das Dachgeschoss besticht durch die Dachterrassen, welche sich quer zum Gebäudekörper aufspannen. Ähnlich den Gartenwohnungen wird auch im Dach eine Art Atrium ausgeschieden – nur eben zuoberst auf dem Dach mit viel Ausblick, Sonne und noch mehr Privatheit.

 

Einfach konzipierte Haustechnik und ökologisch, effizientes Heizsystem

Die Technik im Gebäude ist auf das nötige Minimum reduziert. Dadurch ist diese unterhalts- und wartungsarm. Das Heizsystem sucht seinesgleichen. Die Wärme wird über einen Brunnen und zugehöriger Wärmepumpe direkt dem Grundwasser entzogen. Dies stellt eine einfache, effiziente und sehr ökologische Wärmeerzeugung für die gesamte Überbauung sicher. Die Feinverteilung geschieht in den jeweiligen Häusern unabhängig.

 

Zweite Etappe bringt Mehrwert

Die erste Etappe inklusive Tiefgarage wird im Jahr 2022/23 fertig gestellt werden. Die zweite Etappe wird die Siedlung vervollständigen und durch ihre seitliche Lage die Qualität der Wohnungen nicht beeinträchtigen.

 

 

Zitat aus dem Jurybericht:

Das Projekt besticht durch seine ortsbauliche Setzung, seine Ausrichtung, seine Plätze und die Aussenraumgestaltung und nicht zuletzt auch durch seine Flexibilität im Inneren und im Äusseren. Damit entsteht eine zeitgemässe Wohninsel mit hoher Lebensqualität. Die Eigenständigkeit wird durch die zeitlose, präzise Architektursprache betont.

 

 

Wettbewerb:

2016, 1. Preis

Auftraggeber:

Gehrig AG, Rütihof AG

Projekt und Ausführung:

1. Etappe 2016-2022/23, 2. Etappe 2022-2025

Projektleitung:

Thomas Flämig

Mitarbeiter:

Sascha Mayer, Roland Wittmann, Manuel Rietmann

TZ-Beitrag vom 02.09.2016:

Ein neues Quartier in Bürglen