Antoniol+Huber+Partner Architekten BSA / SIA - Frauenfeld | Turnhalle BBZ Weinfelden
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Turnhalle BBZ Weinfelden

Ausgangslage

Beim Wettbewerb zum Erweiterungsbau im Jahre 03 musste für eine spätere Bauphase auch ein Vorschlag zur Realisierung von weiteren Turnhallen bearbeitet werden. Unser zur Ausführung vorgeschlagenes Projekt sah die Lösung in der Aufstockung der bestehenden Turnhallen. Mit diesem Vorschlag wird die vorhandene Bedeutung der Fussgängerachse vom Südquartier durch die Schulanlage zu Bahnhof und Dorfzentrum zusätzlich unterstrichen.

Eine Zustandskontrolle ergab, dass die Fachwerkträger des Sporttraktes nicht mehr dem heutigen Sicherheitsstandard entsprachen und ersetzt werden müssen. Der dafür erforderliche Betriebsunterbruch sollte gleichzeitig für eine innere und energetische Sanierung genutzt werden. Ergänzend zum Sanierungsprojekt wurde beschlossen, die bestehenden Turnhallen aufzustocken.

 

Weiterbauen

Während bei der Sanierung der Turnhallen und des Hallenbades am bestehenden Erscheinungsbild grundsätztlich festgehalten wurde, stellte sich bei der Aufstockung die Frage: „Wie weiterbauen im Bestand?“ Schnell war klar, dass wir die Schulanlage wie bereits mit dem  Erweiteungsbau von 07 definiert, weiterentwickeln wollten – vorhandene Motive aufgreifend und doch selbsbewusst.

Um Gewicht zu sparen, wurde beschlossen, die Aufstockung in Holz-Elementbauweise auszuführen. Wir waren gefordert, die äussere Erscheinung des Holzbaus mit dem vorhandenen Kontext in Einklang zu bringen. Mittels einer Betonschale, welche die Holzkonstruktion u-förmig ummantelt und dem Brandschutz wie auch der Erdbebensicherheit dient, fügt sich der Habitus des neuen Hochbaus in den Bestand. Der satt an die Paul-Reinhartstrasse platzierte Turntrakt setzt am südlichen Ende der Schulanlage einen ortsbauliche Akzent und fasst die bestehenden Aussenräume neu.

 

Aufstockung Turnhallen

Der Besucher betritt das Neubauvolumen nordseitig über den neuen Hauptzugang, welcher sich auf die Nord-Südachse der Anlage ausrichtet. Das neue Treppenhaus erschliesst sämtliche Niveaus vom Untergeschoss, in welchem die bestehenden Turnhallen liegen, über das 1. Obergeschoss, von wo aus der neue Turnbetrieb erschlossen ist, bis in das 2. Obergeschoss, wo Büroräume untergebracht sind. Der neue Turnbetrieb verfügt zusätzlich über eine interne Erschliessung, bestehend aus Korridor und Treppe, welche Turnhalle, Garderoben, Fitnessraum und Turnlehrerzimmer miteinander verbindet. Der vorhandene Luftraum im südlichen Fluchttreppenhaus wurde mit einer Kletterwand ausgerüstet und kann so auf sinnvolle Art und Weise genutzt werden.

Die tiefen Gebäudegrundrisse verlangen eine zweiseitige Belichtung. Die Hauptfensterfront der Aufstockung ist nach Osten orientiert, was die sommerliche Überhitzung gering hält. Westseitig werden die Räume zusätzlich mit einem schmalen Fensterband belichtet.

In symbiotischer Art und Weise ergänzt die Aufstockung den Bestand. Die Übergänge von Alt zu Neu, von Massiv- zu Holzbau sind fliessend. Kontrastiend zum Äusseren wird im Innern der Holzbau erlebbar. Die auf dem Bestandesraster basierende Holzkkonstruktion aus verleimten Stützen und Trägern ist innen sichtbar. Akustisch wirksame Stabdecken und Wandverkleidungen aus Fichtenholz, robuster Industrieparkett, sowie der Turnhallenboden als Schwingboden in Eichenholz schaffen eine stimmige Atmosphäre.

 

Sanierung Turnhallen

Die bestehenden Fachwerkträger aus Holz mussten aufgrund feuerpolizeilicher Vorschriften im Zusammenhang mit der Aufstockung durch eine Betonkonstruktion ersetzt werden. Um die Bauzeit zu verkürzen, wurden vorfabrizierte Betonträgerelementen eingesetzt. Die neue Hauptfensterfront der Hallen ist gegen Osten orientiert und gewährleistet eine optimale Belichtung mit Tageslicht. Sie ersetzt die mit der Aufstockung entfallenen Oblichtbänder. Die früher mehrheitlich geschlossene Ostfassade wurde dafür ersetzt.

Das bestehende Turnlehrerzimmer, welches zu klein war und ohne Tageslicht auskommen musste, wurde vom Untergeschoss in die Aufstockung verlegt. An seiner Stelle wurde eine neue, grössere Turnlehrergarderobe realisiert.

 

Hallenbadsanierung

Die Sanierung erfolgte in vier Etappen, die jeweils auf die Zeit im Sommer, während der Öffnung des Freibades, festgelegt wurden. Als erstes wurde die Fachwerkträgerkonstruktion über der Schwimmhalle aus Massivholzträgern durch eine aus verleimten Trägern ersetzt. Es folgte ein Jahr später die Neugestaltung des Eingangsbereiches, sowie die Sanierung der Garderoben und Duschen. In der Sommerpause 12 wurden die ausgedienten Lüftungsaggregate sowie diverse Komponenten der Badewasseraufbereitungsanlage erneuert. Mit der Sanierung des Garderobentraktdaches, sowie dem Ersatz der Oblichtkonstruktion über der Eingangshalle und der Sprungbucht, fand die Sanierung dieses Jahr ihren Abschluss.

Wettbewerb:

2003, 1. Preis

Projekt:

2008 - 2010

Ausführung:

2010 - 2013

Auftraggeber:

Staat Thurgau, vertreten durch das Kantonale Hochbauamt

Mitarbeiter:

Christoph Oechslin, Thomas Flämig, Pierre Sutter, Pablo Huber

Bauleitung:

Urs Laib