Antoniol+Huber+Partner Architekten BSA / SIA - Frauenfeld | Haus am Marktplatz Frauenfeld
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Haus am Marktplatz Frauenfeld

Das realisierte Projekt ist das Ergebnis eines Studienauftrags, den die kantonale Gebäudeversicherung 1990 unter mehreren Architekten durchgeführt hat. Dabei stand die städtebauliche Bedeutung dieses öffentlichen Gebäudes an prominenter Lage neben den üblichen Kriterien klar im Vordergrund. Es sind denn auch vor allem städtebauliche Überlegungen, die das Erscheinungsbild dieses Baues prägen.

 

Da ist auf der einen Seite die St. Gallerstrasse, deren besonderes Merkmal der intensive Autoverkehr, begleitet vom Bahnverkehr der FW – Bahn ist. Dementsprechend zeigt sich auf dieser Seite das Gebäude in einer stark längs entwickelten Form, die die Dynamik des Verkehrsflusses thematisiert.

 

Ganz anders auf der ruhigen Marktplatzseite mit den kleinmassstäblichen Bauten an der Marktstrasse und der Engelvorstadt. Die Ostfassade reagiert darauf mit ebenfalls kleinteiligen Volumina, die sich auch aus den notwendigen Zäsuren für die Vertikalerschliessung ergeben.

 

Nochmals anders die Situation an der Kreuzung Marktstrasse / St. Gallerstrasse. Die markante Kopfausbildung mit dem viergeschossigen Rundbau markiert deutlich den südlichen Stadtzugang. In dieser Gebäudeform trifft sich auf ideale Weise das funktionelle Anforderungsprofil – eine Zufahrtsrampe für die Parkgarage im Dreiviertelkreis – mit dem inhaltlichen Profil der Bedeutung des Gebäudes – als Bezirksgebäude – für die Öffentlichkeit.

Zuletzt noch die Seite zur Altstadt; hier verweist der leicht geschwungene Abschluss der Gebäudezeile auf die Bedeutung des öffentliche Freiraumes – Marktplatz und Burstel – für Frauenfeld. Als Überbrückung des Parkplatzes zum Burstelpark hat die Bauherrengemeinschaft hier auf städtischem Land eine kleine Platzanlage mit Bäumen und Parkbänken schaffen lassen und zusammen mit einem Objekt des bekannten St. Galler Künstlers Roman Signer – der „Wasserleiter“ – der Öffentlichkeit zum Geschenk gemacht.

 

Eigentliche Drehscheibe innerhalb der Gebäudezeile ist der grosszügige öffentliche Durchgang zwischen Marktplatz und St. Gallerstrasse. Eine arkadenartig überdeckte Zone holt den Fussgänger von der Altstadt her ab und führt ihn ins Zentrum der Gesamtanlage, während mit baulichen Massnahmen vom Marktplatz her auf die Bedeutung dieser öffentlichen Zone aufmerksam gemacht wird.

Diese Bedeutung liegt einerseits in der Verknüpfung der öffentlichen Verkehrsmittel untereinander – Postauto, Stadtbus und FW – Bahn -, andererseits aber auch in der Anbindung des Individualverkehrs. Das Parkplatzangebot auf dem „Viehmi“, die grosszügigen gedeckten Veloabstellplätze sowie der Aufgang aus der Parkgarage bieten geradezu ideale Voraussetzungen für das Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Das Angebot von Warteraum, WC-Anlagen, Telefonkabinen und Billett-Automat ergänzen diesen öffentlichen Bereich. Leider scheiterte der Versuch mit einer Kioskwirtschaft, diese Zone zusätzlich zu aktivieren. Der Konzentration der Aktivitäten – nur so wird städtisches Leben in der Kleinstadt spürbar – dient auch die Anordnung aller Zugänge in den Bürobereich wie zu den Wohnungen an dieser Drehscheibe.

Neben der kubischen Gliederung wird das Erscheinungsbild der Bauten nicht unwesentlich von der Materialwahl geprägt. Eine Studie über verwendete Materialien bei architektonisch wertvollen Bauten, sollte die Verwandtschaft des Neubaus zum vertrauten Altstadtbild thematisieren. Was sich dort in zurückhaltender Verwendung von Sandstein an Sockelpartien und Eckausbildung im Kontrast zu feinem, meist gelblich oder gräulich gefärbtem Putz zeigt, wurde beim Neubau zeitgemäss umgesetzt. Der Farbton des Sandsteins findet sich im grünlichen Grau des sichtbar vermauerten Betonformsteines für die Kopfbauten und dem die beiden Teile verbindenden Rücken mit den Stadtwohnungen im 3. Obergeschoss. Im Kontrast dazu erhalten die dazwischen gesetzten Kuben einen feinen kalt – gelben Verputz und einen grünlichen Sockel aus Andeer-Granit.

Wettbewerb:

1990, 1. Preis

Überarbeitung und Ausführung:

1992 – 1996

Auftraggeber:

Ausgleichskasse des Kantons Thurgau

Mitarbeiter:

Jörg Losenegger, Roman Strupler

Künstler:

Roman Signer, Ulrich Elsener